Das Wesen des Teuflischen

Das Wesen des Teuflischen
Das ist ein sehr guter Text, der deutlich macht, dass alles was geschieht, geschehen muss(te). Nicht im dem Sinne des Glaubens an ein Schicksal, sondern in dem Sinne, dass Tatenlosigkeit sehr wohl Geschichte machen kann. Dann aber eine teuflische. Dazwischen gibt es nämlich eine Lücke. Eine mehr oder weniger kleine. Die wir aber nur erkennen, wenn wir diese hier solchermaßen konstruierte Konvergenz etwas kritischer betrachten. So wie sich das Wesen der Dinge nur in den konkreten Erscheinungen zeigt (ein anderes Wesen gibt es nicht!), so zeigt sich auch in den Erscheinungen, dass jede Konvergenz eine nachträglich eingefügte ist. Es ist dies gleich der „Verdoppelung der Lücke“, wie sie Zizek beschreibt. Dadurch dass diese Verdoppelung sich aber dann als Teil der Erscheinung (nicht als Teil des Wesens) präsentiert, wird nämlich die Konstruktion dieser Konvergenz deutlich. Eine andere Erscheinung wäre möglich gewesen und damit ein anderes Wesen.

Der Moment der Freiheit stellt sich nur solange als Moment dar, als „Lücke“, solange diese Freiheit nur als Möglichkeit auftaucht. Und darin als Teil des nachträglich konstruierten Wesens. Wird die Freiheit aber genutzt, verändert dies zugleich die Erscheinung wie auch den Begriff von derselbigen – also das Wesen – und entzieht diesem Wesen die Macht über die Freiheit.

Wenn Hitlers Mein Kampf nicht so entsetzlich umgesetzt worden wäre, wenn die Massen nicht auf ihre Freiheit verzichtet hätten, wäre dieses Buch nur von seinen esoterischen Jüngern als Geschichtswerk verklärt worden. So müssen wir, also auch die, dieses Werk als Absonderlichkeit erkennen, es der Geschichte selber anlasten, es der Erscheinung also zufügen. Und damit verändern wir auch unseren vermutlich zunächst positiven Begriff von Geschichte.

Wir lernen, dass die Dialektik auch als eine böse, als „negative Dialektik“ (Adorno u. A.) gesehen werden kann/muss. Und lassen uns in diesem Moment aber dazu verführen, eben diese Dialektik nicht als Menschenwerk, sondern als göttliche oder teuflische Einmischung also als metaphysisches Wesen gleich jeder historischen Erscheinung misszuverstehen. Wo es doch nur eine Möglichkeit ist.

In Wahrheit gibt es keine negative Dialektik (bis auf den Begriff der „Negation“, welcher aber nicht ethisch misszuverstehen ist), sondern nur Menschen, die negativ oder positiv agieren, oder eben gar nicht. Und je nachdem, so stellt sich dann die Geschichte mal so, mal so dar.

Im Falle Hitlers ist fast alles gesagt, bis auf den Umstand vielleicht, dass auch dessen Dämonisierung eben den Dämonen in denen zur Freiheit nicht bereiten Menschen verleugnet. Also des Menschen Selbstrechtfertigung höchstselbst darstellt und eben nicht eine gewisse Einsicht in das Wesen von Geschichte. Und darin liegt übrigens die Mitverantwortung des Volkes der Deutschen. Also in dessen späteren Rechtfertigung. Aber ich bin sicher, irgendjemand hat das wohl schon so gesagt.

Im Falle Breivik wiederholt sich diese Geschichte doch nur, weil wir die Verantwortung für eben genau diesen Dämonen in uns immer noch so beharrlich leugnen.
Wir nehmen doch dessen „Werk“ nicht deshalb nicht wahr, jedenfalls nicht in unserer Mehrheit, weil wir die darin geäußerten Meinungen teilten. Nein, wir nehmen es nicht wahr, weil wir weder an die Macht der Worte, aber noch weniger an die Macht der Taten glauben. Nicht an die Macht unserer Taten. Weil wir nämlich glauben, dass die Dinge sich von alleine einstellen. Die bösen wie die guten.
Dies ist das Wesen des Teuflischen, oder wenn man so will das Wesen eines all zu festen Glaubens.

Mut zur Freiheit
@Grand Guignol: ich bin erstaunt, wie man mich so missverstehen kann. Was hat mein Beitrag mit der linguistischen Wende in Ihrem Link zu tun? Haben Sie Zizek überhaupt jemals gelesen? Mut zur Lücke, was für ein Schwachsinn! Es geht mir und vermutlich auch Zizek darum, dass das Handeln uns wohl die Welt erst erschließt, wie sie eben nicht nur „an-sich“ (Kant) ist, sondern, dass Nichthandeln auch schon Handeln ist. Und dass dies Ding das „Unsere“ („für-sich“) ist. Nicht das Ding irgendeines Anderen, also eine Teilwahrheit vielleicht nur. Nein, die ganze Wahrheit. Bemerken Sie was? Ich rede hier von Wahrheiten. Von objektiven Wahrheiten, die aber immer auch gleich subjektive sind. Im Sinne dessen, wie das Subjekt daran beteiligt ist. Das heißt, wenn wir uns hinstellen und scheinheilig die Augen verdrehten – dieses Böse! -, dann ignorieren wir völlig, auf welche Weise wir an diesem Bösen beteiligt sind. Haben wir es verhindern wollen? Haben wir begriffen, das unser Nichtstun, Teil dieser schrecklichen Wahrheit ist (Teil des Phänomens ist und somit in diesem Moment nicht mehr als Lücke in Erscheinung tritt!), denn an deren Zustandekommen von Anfang an beteiligt war? Hat doch die Tat des Nichtstun, das Böse erst volle Realität werden lassen.
Also das Gegenteil predige ich. Mut zur Tat. Mut zur Verantwortung. Mut zur Freiheit.

faz.net/blogs/formfrei/archive/2011/08/10/mein-kampf-und-breiviks-manifest

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  • Von Die wichtigste Lehre begreift das Kapital nicht am 1. Januar 2013 um 18:41 Uhr veröffentlicht

    […] Zeit in Pessimismus oder Zynismus zu verfallen. Geduld und Willensstärke, Geisteskraft und Mut sind mehr denn je gefordert. Von all denen, die diese Verhältnisse nicht wünschen. Dass es z.B. […]

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