Nicht viel neue Weisheit am Krisenhorizont

Nicht viel neue Weisheit am Krisenhorizont
In Irland sieht es so aus, als ob sich die fundamentale Lage schon etwas entspannen würde.“ Da der Kapitalismus wohl alternativlos ist, müssen wir diesen Dünnpfiff wohl schlucken. Wenn auch folgender Blick in die Glaskugel uns sehr zu denken gibt: „Ich denke, der Kurs des Greenbacks wird vergleichsweise stabil bleiben und in der Handelsspanne verharren, die wir zuletzt beobachten konnten.“ Doch plötzlich dieser Anfall von Hellsichtigkeit:„Höhere Zinsen würden vor allem die spekulative Nachfrage von Anlegern nach Rohstoffen beeinflussen…“ (Nett: dieses „beeinflussen“!) Doch warum die Zinsen so niedrig sind (was doch die Spekulation bekanntermaßen in die Rohstoffe treibt – diese somit ungünstig „beeinflusst“!), finden wir so ganz nebenbei – und offenbar schon wieder verdrängt – woanders beschrieben: „Der Chef der amerikanischen Notenbank Bernanke will wieder verstärkt die heimische Wirtschaft stützen.“ („Amerikanische Notenbank: Langfristiger Zins ist so niedrig wie nie zuvor“/FAZ/12.8.10). Und daran dürfte sich bis auf weiteres nichts ändern, zumal das a l l e tun, oder? Welcher Idiot will da auf einen stabilen Greenback setzen, mal von Chinesen und Indern abgesehen? Wahrlich, nicht viel neue Weisheit am Krisenhorizont.

Nachlese: Wenn die Kulturrevolution doch ein „Deckchenstricken“ gewesen wäre
Nachlese: „Die Realität zeichnet sich durch eine starke Landflucht aus, die zu entsprechenden Wachstumsmöglichkeiten führt.“ Dieser Satz wäre mir fast durch die Lappen gegangen, wo der doch von einem geradezu unschlagbaren Zynismus zeugt. Potentiell 600 Millionen Chinesen, wovon zurzeit erst 200 Millionen auf der „Flucht“ sind, schaffen da eine Gier, die ihresgleichen sucht. Doch wenn diese Kalkulation nicht aufgeht, und davon kann man eigentlich ausgehen, wäre die Kulturrevolution wirklich ein „Deckchenstricken“ gewesen, gegenüber dem, was dann passiert. Glauben die Herren wirklich, dass man eine halbe Milliarde Menschen auf Dauer am Hungertuch nagen lassen kann, nur um für einige Wenige eine ständig attraktive Profitquelle bleiben zu können? Auch die chinesischen Machthaber mögen diesen Zynismus teilen, zumindest locken sie damit(!), doch sind sie nicht halb so blöde um daran selber zu glauben. Die Armut der chinesischen Massen mag sich im Moment nicht auf einen Langen Marsch begeben, doch da könnte einem Kapital – dem einheimischen wie dem internationalen -, ein ganz anderer Marsch geblasen werden. Die chinesischen Massen sind keine indischen niedrige Kasten, sondern ausgebildete, zum Teil immer noch klassenbewusste Arbeiter und Bauern. Vergessen wir das nicht!

faz.net/Im Gespräch: Anthony Boeckh:„Wir sind in einem übergeordneten Bullenmarkt“, 29.01.2011

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   
Dieser Beitrag wurde in Krise des Kapitals veröffentlicht. Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Einen Kommentar hinterlassen

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.