Das Patriarchat und die sekundären sexuellen Merkmale der Frau

Bornemann?
Warum wird hier Ernest Bornemann und sein Werk „Das Patriarchat“ nicht erwähnt? Immerhin wurde er von der hier auch genannten Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS) 1990 mit der Verleihung der Magnus-Hirschfeld-Medaille für Sexualwissenschaft geehrt. Bornemann selber bezeichnet sich in seinem Werk Das Patriarchat als der einzige marxistische Sexualwissenschaftler und sein Werk, an dem er 40 Jahre arbeitete, als das „Kapital“ für die Frauenbefreiung. Ich verweise auf den Wikipediaeintrag unter Ernst Bornemann.

Das Patriarchat und die sekundären sexuellen Merkmale der Frau
Bornemann beschreibt die Sexualität als ein „Überbau“ der Gesellschaft in dem Sinne, als das die Sexualität mit der Metagesellschaft der Klassengesellschaft, dem Patriarchat, korreliert. Es geht hierbei nicht nur um die Beschreibung der sexuellen Abhängigkeiten, bzw. sog. Perversionen, in einer sexuell beschriebenen Gesellschaft, obwohl dies auch, wie er am Beispiel der griechischen Antike so schön belegt, sondern um die Beschreibung der Klassenwirklichkeit, die sich hinter all dem verbirgt. Dass der Mann dabei selber zu kurz kommt, auch in sexueller Hinsicht, sei dabei nur am Rande erwähnt. Er spricht von einer Annäherung der Geschlechter, insofern sich die sekundären Geschlechtsmerkmale der Frau, die sich ja ebenfalls erst im Patriarchat so extrem entwickelt haben – großer Busen und ausladende Hüften -, eben wegen der Zurichtung des weiblichen Körpers zur Gebärmaschine, wieder zurück entwickeln werden, und zwar in dem Maße, wie diese Zuschreibung entfallen wird. Dass im Kapitalismus die biotechnische Revolution zum Motor einer solchen Entwicklung vielleicht mal werden könnte, zumal sich die Befreiung der Frau wie auch die von Klassen als langwieriger herausstellen sollte als gedacht, würde einen Bornemann nicht verwundert haben.

Das Werk muss überzeugen, nicht die Person
@Zentner: Ich weiß nicht, woher Sie Ihr Wissen nehmen, bzgl. des „Trittbrettfahrers unterster Kategorie“. Und natürlich habe ich ein Exemplar von „Das Patriarchat“, allerdings unsigniert, denn solchen Kult mag ich nicht, den um die Person. Aber andersrum mag ich es auch nicht. Nämlich wenn man Leute danach beurteilt, wie viele Haushälterinnen sie womöglich geschwängert haben, oder ob man seine Kinder hat verhungern lassen, vielleicht nicht ganz absichtlich aber doch zumindest nicht völlig unschuldig, wie da zum Beispiel jene scheinheilige bürgerliche Kritik an Marx lautet, nur weil das Bürgertum ihm nicht verzeihen kann, dass er eine ordentliche Professorenlaufbahn zugunsten seiner revolutionären Überzeugung hat geopfert. Ich vermute mal, dass Sie Das Patriarchat nicht gelesen haben, sonst würden Sie vielleicht bemerken, mit welch wissenschaftlicher, nämlich marxistisch-wissenschaftlicher Akribie er hier zu Werke ging. – Oder ist es gerade das, was sie so stört? Die wichtigste Grundlage seiner Studien – und als solche überzeugend verarbeitet – war das Forschungswerk des marxistischen „Altgriechen George Thomson“ (Frühgeschichte Griechenlands und der Ägäis, Die ersten Philosophen). Das Werk muss überzeugen, nicht die Person.

faz.net/Niedergang der Sexualwissenschaft: Verhaltensmanagement statt Triebschicksal, 06.01.2011

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3 Trackbacks

  • […] schon so oft erwähnt, verweise ich auch diesmal auf den marxistischen Altertumsforscher Thomson („Die ersten Philosophen“, „Frühgeschichte Griechenlands“) wie auf den marxistischen Sexualwissenschaftler Bornemann („Das Patriarchat“). Und natürlich […]

  • Von Das Doppelgestirn als weißen Zwerg erkennen am 23. März 2012 um 21:16 Uhr veröffentlicht

    […] des kapitalistischen, nicht tot zu kriegen ist. Pädagogik und Gewalt sind die Entsprechungen von Patriarchat und Klassenherrschaft. Doppelgestirnig, janusköpfig quasi, beherrschen sie den ansonsten […]

  • Von Wo jedem geistigen Höhenflug harte Handarbeit vorausgeht am 25. Juni 2013 um 21:22 Uhr veröffentlicht

    […] den „Ersten Philosophen Griechenlands“ (George Thomson) an, ist somit die Philosophie eine männliche Domäne. Genauer: der Ort, wo (männliches) […]

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