Die, die den Zombie zum Fetisch gemacht hat

Die, die den Zombie zum Fetisch gemacht hat
„Eine Müdigkeitsgesellschaft, die sich mit Hochleistungen am untoten Leben erhält.“ Ein schöner Satz, und so treffend. Ja, es ist eine nihilistische Epoche, in der wir angekommen sind, und das vielleicht nur 5000 Jahren (es können auch 10000 sein) nach dem „Magischen Zeitalter“. Als hätten wir uns nur einmal im Kreis gedreht. Nun ja, dazwischen gab es kluge, gar fruchtbare, Momente. Ein Sokrates mag so einen markieren – ein Wimpernschlag in der Zeit -, ein Hafiz einen anderen, erheblich späteren, aber schon deutlich verworreneren, in der Liebeslyrik verhangenen, vielleicht einem Dante gegen gesetzt, der da die Hölle als göttliche Komödie erkannt hatte. Dann kamen Hegel , Marx, Kant, um nur drei zu nennen, die da noch glaubten, dass die Geschichte noch gut ausginge. Einem Nietzsche schon schwante nur noch das Böse. Doch versöhnt uns Goethe mit der Vorstellung, dass der Teufel doch auch nur ein Mensch ist. Und nun findet sich das Böse als geradezu göttliche Kraft, denn als Antriebskraft in einer gottlosen Zeit. Nennen wir sie, der Reihe nach: Sportgeschäft, Korruption, Drogen. Oder anders: Kapital, Staat, Finanzindustrie? Das Bindungswort fehlt, das, das die „Müdigkeitsgesellschaft“ am Leben hält: „Marktgesellschaft“, nämlich die, die den Zombie zum Fetisch gemacht hat.


faz.net/F.A.Z.-Sachbücher der Woche:Erst zeigt sich der Seelenriss hauchdünn, 24.09.2010

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Ein Trackback

  • Von Vom ausgetriebenen Teufel zum Zombie am 2. Oktober 2010 um 20:56 Uhr veröffentlicht

    […] bzw. von außerhalb deren) schimpfen, dann ist das so, als wenn der ausgetriebene Teufel sich als Zombie […]

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