Das Geheimnis der Klassenherrschaft

Das Geheimnis der Klassenherrschaft
Es gibt die Initiationsriten, die von den Mitgliedern der herrschenden Klasse, als Bedingung ihres Zusammenhalts (das Kapital selber kennt ja keine Klassensolidarität, also benötigt es kulturell konnotierten Kitt) verinnerlicht sind (in Anlehnung an Rituale schlagender Studentenvereinigungen) und damit auch als eine nicht weiter zu hinterfragende Norm, in Außenwirkung vor allem auf all diejenigen, die ihnen da als ihre (politische) Agenten sehr nahe kommen, denn dort Karriere machen. Wie hätte ein Minister also, gleich von welcher Partei, da was gegen machen können, ohne seine politische Existenz zu gefährden? Ganz offensichtlich stellen gewisse Seilschaften in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur mehr als nur eine rein ökonomisch bedingte Klassenverbindung dar. Wer herrschen will, muss lernen sich unterzuordnen, wer politisch dominiert, muss zuvor die Lust an der Ohnmacht verinnerlicht haben. Hinter solchen Gewaltriten steckt eine über die Jahrtausende erprobte metaideologisch wirkende Subkultur, die als Kitt für Strukturen dort zu wirken hat, wo die Macht der Ökonomie – als eiserne Klammer – alleine nicht hinreicht, denn soll die unmittelbare Gewalt entweder minimiert oder strukturell sublimiert werden. Es ist das Geheimnis der Klassenherrschaft.

Der Prügelstab des Herrschers
Das Scheitern der Reformpädagogik macht vielleicht deutlich, dass es eine Reform der Pädagogik innerhalb der Pädagogik nicht geben kann, sowenig wie eine Reform der Gesellschaft innerhalb derselbigen. Die Gewalt aus der Pädagogik verdrängen zu wollen, ohne dass diese aus der Gesellschaft verbannt wäre, bzw. aus den Bedingungen für jene Pädagogik nämlich selber, ist wie bei der Behauptung einer sog. Wirtschaftsdemokratie – eine Aporie. Pädagogik wurde nötig mit dem Verdrängen der natürlichen Autorität, dem Entstehen der Notwendigkeit von Gewalt, auch in der Erziehung. Die Familie war geschaffen, das Über-Ich des „Subjekts“ (das gesellschaftliche Konstrukt eines Subjekts mehr ahnend als wissend) über dem „Kind“, dem Objekt zum Subjekt; daneben gibt es nur noch das Schattendasein des „Nichtsubjekts“ (vgl. „Das Subjekt ist der Mann“/Roswitha Scholz). Pädagogik ist sublimierte Gewalt, denn die „eiserne Hand“, allerdings nicht als „anonyme“, wie in der Ökonomie des Marktes, sondern mit dem nunmehr zum Prügelstab verkommenen vormaligen Herrscherstab des Patriarchen. Der dementsprechende Ritus kann nicht ausbleiben.

faz.net/Odenwaldschule:Mehr Fälle von Misshandlungen,07.04.2010

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