Zu welchen Spielen, Herr Westerwelle?

Zu welchen Spielen, Herr Westerwelle?
Dabei sollte aber doch nicht unerwähnt bleiben, dass diese Dekadenz auch im späten Rom nur die Oberschicht betraf. Eine Mittelschicht, insoweit da der freie Bürger mit gemeint sein sollte (die Sklaven waren ja keine Bürger), lebte in dieser Zeit hauptsächlich am Rande der Brot- und Spielefreigiebigkeit der Kaiser – von einem quasi „Bürgergeld“ also. Also Herr Westerwelle, wenn sie hier schon dem römischen Volk nach dem Mund reden wollen, bleiben Sie bei den Tatsachen, bzw. benennen sie diese richtig. Weder sind Hartz-IV-Leistungen, noch die Brotgeschenke zu den Spielen der Römer, Ausdruck von Dekadenz. Beides hingegen aber ein Symptom. Bei Hartz-IV eines für den spätmodernen Abgesang auf die Arbeit, beim römischen Brot für eine definitiv immer schon gewesene Obsoletheit einer solchen – außerhalb der Ausbeutung von Sklavenarbeit, selbstredend. Oder meinen Sie, da wir mit den 1-Euro-Jobs sowas wie Sklavenarbeit geschaffen haben, außerhalb der inzwischen obsolet gewordenen „Lohnarbeit“, sollte man dem Bürger nun endlich das Brot, pardon: das Bürgergeld schenken. Sind das Ihre Gedanken, Herr Westerwelle? Aber zu welchen Spielen? So viele Weltmeisterschaften haben wir doch gar nicht in Deutschland, als wir Patrioten, äh Athleten hierfür rekrutieren sollten.

faz.net/Hartz IV: CSU: „absoluter Murks“ – FDP: „spätrömische Dekadenz“, 11.02.2010

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Ein Trackback

  • Von Mal geht der Daumen nach unten… am 12. Mai 2010 um 17:22 Uhr veröffentlicht

    […] hatte sich da wohl nicht nur verhoben, mit seiner „spätrömischen Dekadenz“ (vgl. auch: „Zu welchen Spielen, Herr Westerwelle?“), sondern auch […]

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