Eine womöglich berechtigte Perspektive auf den Nullpunkt

Eine womöglich berechtigte Perspektive auf den Nullpunkt
Eigentlich verstehe ich nicht viel von abstrakter Kunst, wenn überhaupt von Kunst, aber ich denke, dass es schon darauf ankommt, welche Perspektive man dazu einnimmt. Ich habe vor einiger Zeit eine Dokumentation über einen Maler gesehen (irgend so ein „Urvieh“ aus der Bergwelt), der eine ganz besondere Art von abstrakter Malerei entwickelt hatte. Seine Vorlagen waren alle real, wie zum Beispiel Äste, Sträucher, Felsen… Was er aber sah, war weniger das, was wir im allgemeinen sehen, also die dinglich-naturale-materiale Form, sondern eher die „Schleifen“ (Schatten?) hiervon. Es war eine andere Welt, hinter der Welt, die er uns Normalmenschen so zeigte, die Natur mit Fantasie betrachtet, ihr somit eine andere Ästhetik andichtend, doch aber keine Fantasy-Welt, eine magische sicherlich, wenn auch keine magisch-realistische, denn eben eine magisch-abstrakte.

Ich denke, dass diese Perspektive auf die Welt im Großen und Ganzen auch dem Strukturalismus anhaftet. Nicht die Dinge, weder in ihrem Seins-Zustand, noch in ihrem (Wider-)Schein interessieren, sondern das sog. Wesenhafte, das was also dem Sein (oder auch dem Schein) „immer“ zugrunde liegt, zugrunde liegen könnte, die Lücken halt, wie Žižek meint. Materialistisch-dialektisch betrachtet, wären das die unfertigen Dinge, die Übergänge ((„Phasenübergänge“, Sprünge, Revolutionen, Imaginationen, Irritationen, Unbestimmtheiten, Momente des Nicht-Seins, des scheinbaren Todes, „Potenzen“/„Sphären“/„Plenum“ (Thomas v. Aquin), vielleicht gar „schwarze“ oder „weiße“ Löcher, physikalisch gesprochen)), also eine Welt jeweils kurz bevor sie ward (oder nach dem sie jeweils eine wurde), bzw. wie sie dann von einem Subjekt wahrgenommen wird, wahrgenommen werden kann/muss. Es könnte auch eine Perspektive sein, die sich zwischen die bekannte Objekt-Subjekt-Dichotomie, quasi heuristisch eben, schiebt, nämlich um der Frage zu entgehen, ob das nun ein Objekt oder das Subjekt ist, das da wahrgenommen wird, also möglicherweise mit Blick auf sich selbst (wie es ja auch wirklich ist, wenn Mensch, also mit Bewusstsein auf die Welt blickt, so blickt er nämlich zunächst durch sich hindurch). Es ist der Versuch dem notwendig falschen Schein in des Menschen Perspektive zu entgehen.

Das ist eine interessante Perspektive also, eine die man nicht einfach mit „Null“ diffamieren sollte, auch wenn sie sozusagen tatsächlich auf „Nullpunkte“ (kurz vor oder nach solchen) fixiert sein könnte. Eine Perspektive also, die ihre Berechtigung hat.

Bocksprünge
@Schoenbauer: Also ich bin mir natürlich nicht sicher, inwieweit die Natur Sprünge macht, der sog. „Phasenübergang“ will mir nämlich als ein solcher erscheinen; allerdings die Gesellschaft, die macht welche, wenn auch nicht selten als Bocksprünge. Nichts desto trotz stimmt es natürlich, was Sie da schreiben. Und ja!, Lenin hat über die Bürokratie geschimpft (übrigens Stalin auch) und sie doch benutzt, mangels Alternative, angesichts der enormen Bildungsunterschiede im damaligen Russland. Aus dialektisch-materialistischer Sicht muss das kein unlösbarer Widerspruch sein. So ist der Sozialismus als eine Übergangsgesellschaft ehe auch noch Teil jener Klassengesellschaft, der er entsprang – dem Kapitalismus – und voll derer „Muttermale“. Und die Bürokratie kommt erst im Kapitalismus zu ihrer vollen Blüte, ist sie doch dessen Kind wie Braut – eine ziemlich junge Braut noch also. Und da wo das Kapital noch nicht mal richtig entwickelt ist, wie das in Russland eben so war, ist es vielleicht gar nicht zu vermeiden, wenn diese Bürokratie erst noch mal so richtig sich voll entfaltet. Im Zuge der nach-revolutionären „Neuen Ökonomischen Politik“, war das übrigens voll mit eingeplant, als Kapitalismus im Schnellverfahren, an der mehr oder weniger kurzen Leine des Sozialismus. Nun ja, daran ist dieser Sozialismus vermutlich dann doch krepiert!

Im Prinzip ist der Sozialismus so eine Art Kräftegleichgewicht, das es für einige Zeit unentschieden lässt, wohin die Reise geht – nach vorne oder wieder zurück. Bisher ging es leider nur in die Hosen, dank dieser Bürokratie im Übrigen (man kann diese auch als das trojanische Pferd der Klassengesellschaft im Sozialismus betrachten).

Zu Schirrmacher: Danke, ich mag den Schirrmacher eigentlich, denn er ist für einen Konservativen ein echt quirliges Kerlchen. Doch ist er halt ein Konservativer, und daher muss man ihn geradezu kritisieren, zumindest bzgl. seines Ansatzes. Aber was er so aufgreift, beschreibt und kritisiert ist wirklich Thema der Zeit, und man muss es ihm hoch anrechnen, dass er da auch nicht locker lässt. Ein ähnliches Phänomen wie Jeremy Rifkin, den ich auch schätze.

Zu den Buttons: Nun ja, ich denke, dass die FAZ da einen Riegel vorgeschoben hat, damit der Marxist nicht all zu gut bewertet wird (ich komme oft schon „rot“ im Netz an!?), das wäre schlecht fürs Geschäft – mit der Stammkundschaft. Und doch ist es eigentlich nicht mehr als logisch, wenn ein Marxist tief rot gesehen wird; ich sollte mich nicht beschweren. Im Gegenteil: schlimm wäre es, wenn es anders wäre. Ich rechne es der FAZ-Leserschaft im übrigen hoch an, dass sie, obwohl sie womöglich Schreikrämpfe bekommt, wenn sie meine Klassenkampfsemantik über sich ergehen lassen muss (doch lesen tut sie es, auch wenn sie vor Wut dabei schäumen wird), manche Beiträge von mir, nicht selten wirklich die Besten, dann doch ins Grüne hin bewertet. Das hat Stil.
Im Grunde interessieren mich die Buttons aber nicht, Antworten, auch kritische, sind mir allemal lieber. Aber wie gesagt: danke.

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/01/27/nazis-im-nachverkauf

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