Singers Präjudiz

Singers Präjudiz
Ein guter Artikel – ein echter Schirrmacher -, und doch, was ist es, was mich daran stört? Ist es die Angst, die ich da spüre, und die ich selbst verspüre? Oder ist es der konservative Ansatz, als ob man die Technik in den Griff bekommen könne, ohne die Gesellschaft? Was hilft es, und Schirrmacher stellt diese Frage ja auch, wenn Google auf den Einsatz einer technischen Möglichkeit verzichtet, wenn die Konkurrenz es bringt, bzw. Google dann eben etwas später? Was technisch möglich ist, wird gemacht. Das gilt für jede Gesellschaft. Also muss man dafür sorgen, dass die Gesellschaft Dinge macht, die als Technik keinen Schaden anrichten (können) – keinen solchen, nämlich wie er hier möglich sein wird. Im Übrigen: die Veränderung des Bewusstseins, ist nicht das Problem, das geschieht in jedem Moment unseres Daseins, aber die Abschaffung eines solchen, das wird gerade möglich gemacht. Dann wird vielleicht doch noch wahr, was ein gewisser Herr Singer, gegenwärtig schon – und solchermaßen präjudizierend – für die Wahrheit hält: Der Mensch wäre eine (bewusstlose) Maschine, oder eine fremd gesteuerte.

Eine brecht’sche Quadratur des Kreises
@Müller: Ich könnte Ihnen jetzt antworten: weil das die Art und Weise ist, wie der Kapitalismus sich entwickelt, um nicht zu sagen: wie er sich vermutlich nur entwickeln kann – wenn überhaupt. Aber das wird Ihnen nicht genügen. So setze ich noch einen drauf: Das Subjekt wird obsolet (siehe auch Jeremy Rifkin: Das Ende der Arbeit) und das Kapital versucht nicht nur die Verwertung des Werts im virtuellen Raum (den ersten Schritt glaubt es schon getan, indem es die „Finanzindustrie“, die Geldproduktion s t a t t Realwirtschaft, schuf), sondern auch die Ausbeutung eines Subjekts, das bald keines mehr sein wird. Ohne Mehrwert, der wohl aus abstrakter aber immerhin menschlicher Arbeit gewonnen wird, kein Kapital, keine Warengesellschaft, kein Privateigentum an Produktionsmitteln. Es steht viel auf dem Spiel. Diesbezüglich gibt es daher noch ein Trösterchen: Die Geschwindigkeit einer solchen Entwicklung hängt ganz davon ab, wie das möglich sein wird, ohne die brecht’sche „Quadratur des Kreises“. Eine Verlangsamung der Geschwindigkeit wäre allerdings stets rückwärts gewandt und stünde im Gegensatz zum Klassenkampf, der nach vorne treibt. Gesellschaftliche Agonie wäre eine Option, aber keine auf Dauer, vielleicht erleben wir gerade eine, infolge dieser Krise.

„Neue soziale Gemeinschaft“?
@Sulzberger: Schon vergessen, dass die Nazis auf der Grundlage legal erhobener Daten – einer Volkszählung -, den Holocaust organisiert haben? Ich denke, die meisten davon hatten auch nichts zu verbergen. Und diese Daten waren nichts gegen das, was heute möglich ist. Heute könnte man von völlig anonymer Seite aus einen erheblich größeren Schaden anrichten. Wie das in etwa aussehen könnte, zeigt uns diese Finanzkrise. Es sind nur die Daten, die da ins Spiel gebracht werden, nicht mal reale Figuren. Krisen die da ausgelöst werden, sind objektiv Verbrechen, können als solche aber nicht geahndet werden. Oder möchte jemand die Verantwortlichen für gewisse kreative Finanzprodukte hängen sehen? Der finanzielle Schaden alleine wäre nicht mal das Problem, aber 500 Millionen zusätzliche Menschen ohne Arbeit, ohne Brot? Ist das eine Kleinigkeit für uns „neue soziale Gemeinschaft“? Und nun stelle man sich vor, dass da nicht irgendwelche konkrete Subjekte am Werk sind, sondern Automaten, intelligente. Maschinen, die Maschinen benutzen um Menschen zu beeinträchtigen, ihnen Schaden zufügen. Wer trägt dafür dann die Verantwortung? Die Erfinder der Maschinen, die die sie einsetzen, jeder einzelne „Kunde“, jeder Mitarbeiter?

faz.net/Schwellenjahr 2010: Die Echtzeit wartet schon,20.12.09

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3 Trackbacks

  • Von Wer die Spesen zahlt, bestimmt am 22. Dezember 2009 um 18:42 Uhr veröffentlicht

    […] sich ja auch in fremde Reviere hinein. So er von liberal-konservativ aus nach links (vgl. mein „Singers Präjudiz“, bzw. faz.neta>), Sie halt in die umgekehrte Richtung. Was Sie daran wahrscheinlich auch reizen […]

  • Von Unbezahlbare Arbeitskraft am 3. Januar 2010 um 00:37 Uhr veröffentlicht

    […] -, dann wird das Produkt ein anderes. Hierin zeigt sich auch, dass die verloren geglaubte Individualität des Subjekts im Objekt sitzt; und das verweist auf den wahren Grad der Vergesellschaftung. Arbeiter wie […]

  • Von Schwarze Kassen am 5. Januar 2010 um 22:18 Uhr veröffentlicht

    […] sie sind es worum es hier geht. Die Frage ist nur, was sind diese Werte? „Wert“ sind sie – Mehrwert. Mag sein, dass es den USA anfänglich noch um eine Ölpipeline durch Afghanistan gegangen war, […]

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