Alles nur Ideologie, oder was?

Untenstehender Beitrag – Alles Ideologie, oder was? – referiert auf einen Beitrag von mir am 12.03.09 · 09:54 Uhr, den ich anläßlich eines FAZ-Blogs gesendet hatte. Dieser Kommentar ist zur Zeit leider nicht verfügbar, da das Archiv überarbeitet werden muss. Ich kopiere ihn daher noch einmal. Siehe auch Konjunkturprogramm Weltkrieg – Thomas Strobl -, vom März 2009.

„Die USA zwingen dem Irak genmanipuliertes Saatgut auf“
Den Zusammenhang zwischen Rüstungspolitik und Kriegspolitik kann man aber auch nicht völlig ignorieren. Waffen, die produziert werden, werden auch eingesetzt. Natürlich gibt es da keine lineare Entwicklung hin zu einem Weltkrieg – der ja das eigentliche Thema des Blogs ist. Aber dieses Thema wurde auch ausreichend – und kontrovers – debattiert.
Und es gibt natürlich einen Zusammenhang zwischen den aktuellen Kriegen, z.B. denen der USA und gewissen wirtschaftlichen/finanzwirtschaftlichen Interessen. Jeder kennt die Mahnung Greenspans vor Jahren, dass, „wenn diese Blase platze (die jetzt geplatzte Immobilien-/Kreditblase), das einem 3. Weltkrieg gleichkäme. Mal abgesehen davon, dass hier ein semantischer Zusammenhang zu bestehen scheint, war die Politik der USA in etwa so:
Verhindern wir das Platzen der Blase, indem wir sie immer mehr aufblasen, und sorgen wir gleichzeitig für indirekte Effekte auf dem Immobilien- bzw. Bausektor. Haliburton hatte bekanntlich noch vor der Kriegserklärung an den Irak, seine Zusagen für entsprechende Wiederaufbaumaßnahmen im Irak. Man wusste offensichtlich vorher schon, was man zerstören wird! Diese Kriegspolitik setzte sich u.a. zum Ziel den Bausektor am Laufen zu halten, als ein wichtiges Standbein für die Illusion eines boomenden Immobiliensektors (und natürlich sollten die Schulden der US-Häuslebauer/Baufinanciers, deren Offenbarungseid absehbar war, noch rechtzeitig per Krieg sozialisiert werden, Forcierung der Kreditverbriefungen und Stichwort: Inflation), mit der Absicht eine künstliche Konjunktur (- kreditfinanziert selbstredend -) zu schaffen. Ergebnis dieser Politik, die merkwürdigerweise in etwa mit 9/11 begann, war, dass die Krise, die vermutlich schon 2001 ausgebrochen wäre, erst 7 Jahre später dann mit voller Wucht ausbrach, und wie wir sehen, jetzt schon einem 3. Weltkrieg gleichzusetzen ist (vorläufiger Schaden: 50 Billionen US-Dollar!), mit Aussicht auf einen echten 3. Weltkrieg.
Und es gibt da einen weiteren Zusammenhang, einen ganz zivilen, möchte ich mal sagen. Diesen kann man wunderbar erkennen, an dem folgenden Artikel von 2004: „Die USA zwingen dem Irak genmanipuliertes Saatgut auf“, im „Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik“.

Im Zusammenhang mit einer Art Neo-Neokolonialismus erleben wir daher auch eine Renaissance einer Kriegspolitik die unmittelbar eine spezielle Wirtschaftspolitik fördert, also vergleichbar zur Epoche des Absolutismus. Nur während damals diese Politik auf die Schaffung eines Finanzkapitals und auf die Gründung von Nationen hinauslief (z.B. der französischen), scheint dies jetzt nun irgendwie umgekehrt zu laufen. Die Nationen werden abgewrackt, mithilfe der Kriegspolitik, denn, und das scheint mir evident: die („friedlichen“) Mechanismen eines transnationalen Kapitals reichen wohl nicht mehr aus. Irak wäre da so ein Trainingsobjekt für. Was daraus für die Zukunft des Finanzkapitals zu schlussfolgern wäre, überlasse ich – nicht ganz ungern – der weiteren Geschichte.

Alles nur Ideologie, oder was?
Nicht gewollte Argumente als Ideologie oder „Schlagwortkreuzfeuer“ abzutun, ist doch wohl selber kein Argument und kann bestenfalls nur die eigenen Anhänger überzeugen. Auf wen soll ich mich denn berufen? Auf Marx? Würde der denn gehört? Wohl nicht! Alles nur Ideologie, nicht wahr?
Also: Wenn Greenspan als ein nicht ernst zu nehmender Akteur abgetan wird, dann wird es schon schwer auf Zeitzeugen zu verweisen.
Fassen wir es kurz, mit „Kurz“, und auf den referiere ich jetzt mal (obwohl ich eher sein Kritiker bin, siehe: „Philosophus Mansisses“), wenn ich sein Schlagwort von der „Kriegswirtschaftspolitik ohne Krieg“ übernehme. Natürlich stimmt das so nicht ganz, denn wir haben ja Krieg, überall, ständig, nicht mehr enden wollend. Und wenn ich mit Schäuble davon überzeugt bin, dass man zwischen Krieg und Frieden nicht mehr unterscheiden könne, dann heißt das nicht, dass ich seine Definition vollständig übernehme, schon gar nicht, wenn er dabei den „Krieg gegen den Terrorismus“ meint.
Nein, wir haben Krieg, Kriege und keinen Frieden. Ein Zustand, der nicht mehr abzuändern scheint, und der auch nicht mehr in einen gewonnenen oder verlorenen Krieg unterscheidet.
Denn der Krieg scheint die einzige Quelle des Mehrwerts zu sein.

Um das zu verstehen, also die Beschränkung dessen, muss man natürlich bei Marx nachlesen. Das Kapital kann sich nicht reorganisieren auf dieser Basis, es sei denn, es frisst sich selber auf (wieder mit Kurz: „autokannibalistisch“). Und damit wäre das auch meine Antwort auf Ihre Behauptungen: Der Krieg ist das Konjunkturprogramm, aber als ein solches nur ein Katastrophenszenarium, das die Konjunktur nicht zu beleben vermag, sondern nur Gewinner und Verlierer umverteilt. Ein – wenn man so will – negatives Konjunkturprogramm.
Also: Wem das zu viel Ideologie ist – und zu wenig Beweis -, dem empfehle ich die Augen auf zumachen und die eigene Ideologie zu prüfen, denn diese scheint mir doch der Pferdefuß.

scienceblogs.de/zoonpolitikon/2009/03/krieg-als-konjunkturkurbel-alarmismus-schlagt-argumente

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2 Trackbacks

  • Von Schwarze Kassen am 5. Januar 2010 um 22:43 Uhr veröffentlicht

    […] werden nicht verraten, sie sind es, worum es hier geht. Die Frage ist nur, was sind diese Werte? “Wert“ sind sie – Mehrwert. Mag sein, dass es den USA anfänglich noch um eine Ölpipeline durch […]

  • Von Greenspan, als der über die Zeit gerettete Hagen am 19. April 2010 um 21:31 Uhr veröffentlicht

    […] an Siegfried und rettet die Deutschen. Ich gäbe was drauf, wenn ich nun wüsste, ob der greise Greenspan, noch einmal als der über die Zeit gehievte Hagen von Tronje gehandelt werden […]

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