Vom Eigentum anderer Leute

Vom Eigentum anderer Leute
Ich hatte da mal vor einiger Zeit in der Sauna so ein parkendes Handtuch, nach einem gewissen Zögern, entfernt, denn stand da nicht ausdrücklich? – „Bitte keine Liegen reservieren, keine Handtücher liegen lassen!“
Und wie blökte mich da jemand an, ob jener Ungehörigkeit. „Ob ich denn keinen Respekt vor dem Eigentum anderer hätte?“ Nicht der Betroffene, nein, eben dessen Gesinnungsgenosse und Liegenachbar, diesbezüglich, sagte das. Die Absurdität am Rande. Den Burschen kannte ich, der war es nämlich, der mir damals, vor so einigen Jahrzehnten (ich war ganz frisch verheiratet, mit meiner ersten Frau, und noch überglücklich und daher blind ob jener frisch erworbenen Beute) so eine sinnlose Police (Kapitallebensversicherung, oder so was in der Art) angedreht hatte, die ich dann sehr schnell wieder still legte, und der nun in diesem Wellnessparadies in Bad Homburg seine – auf diese schäbige Art – aber offenbar doch reichlich verdiente Rente, sprich: ebenso Beute, verlebte. Ein richtiger Spießer, dieser Herr, ging mir da durch den Kopf, und von solch einem Dösel hast du dir was andrehen lassen? Und der will mir was vom „Eigentum der Leute“ erzählen? Ich fasse es immer noch nicht. Nicht, dass so einer mir was angedreht hat, das habe ich verschmerzt, nein diese „Doppelmoral“ in Bezug auf das „Eigentum“. Mein Eigentum hatte der sich schneller unter den Nagel gerissen, als ich hier das Handtuch entfernen konnte. Ich überlegte zumindest ein paar Minuten, bevor ich das tat.

Eklige In-Besitznahme
@Diener: Oh, das ist aber jetzt ein Missverständnis, ich hatte das Handtuch nur vom damit reservierten Platz entfernt und einfach an die Seite gelegt. Abgesehen davon würde ich niemals Handtücher von Fremden benutzen. Das ist ja der Witz: nicht weil ich etwas entwendet hätte, nein, weil ich es wagte, etwas von dem Platz zu nehmen, hätte ich angeblich keinen Respekt vor fremden Eigentum. Doppeltes quasi: das des Handtuches und das des in Besitz genommenen Liegestuhls. Man nimmt also mittels Handtücher in Besitz, was einem definitiv nicht gehört. Eine schöne Allegorie auf die In-Besitznahme ganz generell. Man belegt etwas mit der eigenen Duftnote, und schon denkt man, alles, was damit benetzt ist, gehört einem. Ein wahrlich archaisch anmutender Vorgang. Und angesichts des Handtuches, ein schon ekliger Vorgang.
faz.net/blogs/ding/archive/2009/07/31/standorttreue-braeuner-die-poolliege

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