Des Menschen kleines prekäres Dasein

Des Menschen kleines prekäres Dasein
@Don Alphonso: Ich lese gerade Philip Blom „ Der taumelnde Kontinent“ und bin nicht wenig überrascht über eine jene ästhetisierenden Weltuntergangsstimmung, wie sie zwischen 1900 und 1914 herrschte, bis dann die Welt tatsächlich unterzugehen schien – 1914.
Das Spiel wiederholte sich dann, so in den Zwanzigern, allerdings dann schon wesentlich substanzieller, nämlich sich auf eine die Welt verachtende Euphorie kaprizierend. Beide „Events“ auf die man sich vorzubereiten schien, haben dann, inklusive der damaligen Form der Schweinegrippe, nämlich der spanischen, weit über 100 Millionen Menschen das Leben gekostet. Ich schlage mal vor, anzunehmen, dass es diesmal ein paar mehr werden, nicht durch die Schweinegrippe, aber durch einen großen Krieg – die richtigen Seuchen werden dem dann noch folgen.
Die Frage bleibt nur: wie gehen wir damit um? Ästhetisierend? – das ist nach wie vor die Hochstimmung der Rechten (inklusive deren Antisemitismus oder heute wohl auch „Antiislamismus“- aber auch gewisse Witze über „Marihuana rauchende Nachbarn“ grenzen sich da nicht eindeutig zu ab)! Euphorisch? – das ist eine untaugliche Stimmung der „Linken“, jener hedonistischen, nämlich eine nihilistische!
Eine angemessene Stimmung wäre vielleicht jene Mischung aus Rationalität und Satire, Distinktion und Nähe, wie man sie bei einem Tucholsky vorfindet, oder auch eine jene Blut triefende und bitteren Hohn verschüttende Dialektik eines Brecht.
Wer so tut, als könne er sich dem Geschehen völlig entziehen, liegt genau so falsch, wie der, der da glaubt, das alles einem rationalen Geist zuführen zu können, etwas völlig annehmen zu können, was doch jenseits unseres Verstandes angesiedelt scheint.
Aber eines sollten wir begreifen, die Gefahren sind echt, sehr real – nicht unbedingt die mit der Schweinegrippe -, sodass jede Verdrängung sinnlos ist.
Das alles überlappende Ereignis ist und bleibt die Krise. Die Umweltkatastrophe ist eine jene sie begleitende, zumal sie ihren Anfang mit der Moderne schon nahm, einer solchen, die man glaubte, sich leisten zu können, ohne dies wirklich getan zu haben – sie sich geleistet.
Die nun zweite große Pandemie, scheint mir eine Allegorie auf eben jene zwei großen Krisen, als ein Witz der Natur, wo es doch eben diese Natur ohne Witz zu zerstören galt und gilt.
Nun die Natur scheint nicht so leicht zu zerstören, die Pandemien beweisen es, aber des Menschen kleines prekäres Dasein, das schon eher.

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/07/26/das-stilvolle-ueberleben-der-pandemie-i-entschluss

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