Wer oder was ist „das Volk“?

Weiter so!
„Das Volk möchte dennoch in diese Welt der vollen Tische und dicken Männer, es will im neuen Fremden wieder das Vertraute finden, die Annehmlichkeiten der Zeit vor der Wirtschaftskrise und die simplen Weltbilder der 50er Jahre, es will was sein, was haben, und wenn dann mit der CSU der letzte Rest des 50er-Jahre-Miefs versucht, das Land zu sehr der Moderne anzupassen, mit achtstufigem Gymnasium und Genfrass, dann wird sie eben vom Volk durchgehauen…Man will das 21. Jahrhundert und die 50er im gleichen Moment, und wer die Verschmelzung jener Epochen glaubwürdig erlügen kann, wer sich als neuer Erhard präsentiert, wer diese Karte in den Köpfen der Menschen lebendig werden lässt, wird kommende Wahlen gewinnen.“
Hey Don Alphonso, das sind die zwei ihrer besten Passagen, mit wahrhaft philosophischem, wenn nicht gar prophetischem Gehalt, die ich von Ihnen bisher zu lesen bekam. Ich möchte sie auch gar nicht weiter kommentieren, es sei denn mit der Frage beschließen:
Welches Volk meinen Sie, das gesamtdeutsche, das bayrische oder gar überhaupt nur gewisse Teile hiervon? – Ansonsten, weiter so!

Des Mannes Götze
@piotrek: Ich möchte Ihr Leid wirklich nicht ignorieren, wie überhaupt noch irgendwie kommentieren, das muss jeder/jede für sich selbst klären. Was aber die Liebe selbst betrifft, die Sie als das „Größte“ bezeichnen, da würde ich Ihnen gerne etwas entgegensetzen. Vielleicht wusste Casanova etwas mehr darüber, als der Rest dieser armseligen Menschheit (meiner Wenigkeit mit einbegriffen). Nüchtern betrachtet, scheint sie mir nicht viel mehr als gelungene oder zumeist weniger gelungene (Selbst-)Manipulation zu sein. Die Paartherapeuten reden da von Projektion, wohin ich die Illusion verorte, nämlich das gründlichste Missverständnis bzgl. des Patriarchats, das man überhaupt haben kann. Bedauerlicherweise, oder vielleicht gar glücklicherweise, erfahren wir gegenwärtig – im Zeitalter der neu aufgebrochenen Geschlechterkriege, der ultimativen gar – mal die „ganze Wahrheit“ ; und die ist wirklich nicht schön, für keines der Geschlechter (dazu gehören nämlich auch die Zunahme von Kindesmord und Kindesmissbrauch durch Mütter). Zum Thema Liebe unter dem Aspekt von Patriarchat und Poesie habe ich mal was geschrieben, siehe : „Der persische Hafiz, die (Homo-)Erotik, und der Nihilismus“ (auch das hierin erwähnte „Was dem Manne sein Orakel…“, ist mittlerweise veröffentlicht – und vielleicht lesenswert). Wenn Sie sich nicht die Mühe machen wollen, das alles zu lesen, dann kann ich das verstehen, das Leid muss genossen werden, ohne Ablenkung. Doch vielleicht nur noch eine Bemerkung, wie ich das zusammengefasst – etwas vereinfacht – darstelle. Wenn Hobbes den „Mensch als des Menschen Wolf“ bezeichnete – worin er gründlich irrte, denn ein solches, diese Zuschreibung verdienende, Wesen, scheint mir noch gar nicht geboren (die Barbarei steht uns als Option vorerst noch offen) -, meine ich, dass das Weib unter dem Patriarchat nicht des Mannes Untertan geworden ist – die Bibel irrt nicht nur darin, aber darin ganz besonders, nämlich geradezu paradigmatisch – , sondern dessen Götze. Und das ist die eigentliche Ironie, auch und gerade ob jener, von allen monotheistischen Religionen den patriarchalischen Gesellschaften vorgestellten Verheißung, resp. für das männliche Geschlecht, dass doch ein untertäniges Weib der Lohn für dessen Frevel (gegenüber dem Weib) sei!
Ich denke, im Moment werden viele – schon lange – offene Rechnungen beglichen, noch vor der ultimativen Barbarei! Und im Angesicht dieser Flut, bleiben „niemandes Füße trocken“ (um mal mit der FAZ, wie mit der reichlich zynischen Bemerkung von Mihm in:Rente-Rentenkürzung, 03.05.09 zu sprechen)

Von Zaun zu Zaun
@Wastlsohn: „Offensichtlich muss man sich wohl gut auf das andere Geschlecht einlassen, um zu erfahren was schliesslich für einen allgemeineren Blick reicht.“
Ich hoffe, Sie lesen noch mehr „aus Versehen“, denn Sie haben den richtigen Blick! – Allerdings scheint mir hier doch ein kleines Missverständnis vorzuliegen (mal abgesehen davon, dass ich glaube, dass Sie denken Devin08 ist eine Frau?! – Gehen Sie in meinen Blog/Vita etc.): ich bemühe mich nicht für das andere Geschlecht zu reden, doch aber den „allgemeineren Blick“ zu haben. Denn diesen braucht man wohl, um vor dem anderen Geschlecht zu bestehen, selbst wenn das diesem gar nicht so recht wäre, das mit dem „allgemeineren Blick“ (denn nur gut gehütete Geheimnisse haben ihren Wert).
@anderl? Sorry, aber durch welchen Zaun sind Sie denn gerade durchgefallen?
@Don Alphonso: Mein Beitrag ist doppelt gepostet, wenn Sie so freundlich wären, das kurz zu korrigieren, das macht wirklich keinen guten Eindruck
m.f.Gr.

Paradoxie: Und eine Zeit für die Freiheit
Ich war in den 50ern wohl noch ein kleines Kind, aber gerade deshalb konnte ich sie noch recht unbefangen von ihrer übelsten Seite erleben. Ich war Schüler in den ersten Klassen der Volksschule, Kind, Krankenhäusern und auf Kur; und ich erfuhr von meiner Mutter, die mein Leid nachfühlen konnte, dass das alles noch „Naziweiber“ waren, die hier und dort noch auf die Kinder losgelassen wurden. Lehrer, Erzieher und nicht zu vergessen: die Pfaffen, die uns Kleinen die Freude am Leben zu verderben suchten. Wenn es so was wie einen psychologisch bedingten Urgrund für meinen heutigen Marxismus gibt, dann lag der genau in dieser Zeit. Pfaffen wie Opportunisten und Rebellen wurden geschaffen – massenhaft -, oft gar wider Willen. Vielleicht dann mit ein Grund für die Radikalität und den verzweifelten Hass (und auch Selbsthass) während den 68ern ff.
Ich denke, dass das so besehen, eine gar nicht zu schlechte Zeit war, sie hatte ihre Ecken und Kanten und bewirkte daher auch so manch Paradox. Denn, sie war auch die Zeit für die (nicht: der!) Freiheit, für die im Geiste, die Fantasie, des Spiels, in den Wäldern wie in den Gassen – trotz alledem! – Ohrfeigen störten uns nicht, nur die von den falschen Leuten. Ohne diese Zeit erlebt zu haben, wüsste ich gar nicht, was mir heute (und vor allem auch der heutigen Jugend, wie ich glaube) so fehlt: Nicht nur Grund für ein eigenes (Selbst-)Bewusstsein, sondern auch Raum für die Wut. Die unterdrückten Ohrfeigen in der heutigen Zeit wirken lähmender als die verabreichten. – Raum zur Gegenwehr kann so gar nicht erst entstehen.
Die 68er waren gar nicht so paradigmatisch, so notwendig, denn sie waren Teil eines selbstlaufenden Programms, das in den 50ern gelegt wurde. Das war die Zeit, in der Menschen, nicht nur Untertanen (gleichgültige „Staatsbürger“) geschaffen wurden.

faz.net/blogs/stuetzen/2009/05/06/die-reisekarte-fuer-die-bundestagswahl

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  • Von „Versorgungsehe“ am 7. Mai 2009 um 20:18 Uhr veröffentlicht

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