Den Naiven vor dem Herrn

Wir bewegen uns im Kreis, Herr Strobl: Kapitalismus ohne Wachstum ist ein Unding. Daran wird das Kapital scheitern. Die Frage bleibt nur, lassen wir zu, dass die menschliche Spezies gleich mit scheitert. Das heißt, wie wichtig ist Ihnen und all den all den anderen (von Köhler reden wir gar nicht) das Wirtschaftssystem, die Marktwirtschaft, die Verwertung des Werts. Letzteres ist übrigens der Grund für die Unlösbarkeit der Problematik. Verwertung des Werts nicht Bedürfnisbefriedigung stehen auf der Agenda des Kapitals. Ein Köhler weiß das, aber er spielt den Naiven vor dem Herrn.

Hoffnung ist die Nahrung der Narren
@Strobl: Vor Gott und all den anderen Zeugen: Ihre Hoffnung in allen Ehren, aber ich verlasse mich lieber auf scharfe Kritik (und anderen scharfen Waffen). So habe ich erst gestern einen Banker gesprochen, der mir sagte, dass uns über kurz oder lang eine Währungsreform bevorstehe. Die Lage sei unausweichlich. Solche Dinge sind es womöglich, die uns der Ökonom Köhler vorenthält (vorzuenthalten hat). Ich brauche keine Ökonomen (und auch keinen Bundespräsidenten), die uns keinen reinen Wein einschenken wollen. Ideologie kann ich selber produzieren. Und Hoffnung ist die Nahrung der Narren, wenn sie auch zuletzt stirbt.

Gesellschaftskritisch nicht „kritikasternd“
@Kalupner: „Nicht der kreative, evtl. geniale Konfliktauflösungsversuch in einem Konfliktszenario, der immer von der Hoffnung lebt, dass dieser erneute Versuch sich als Geniepunktänderung erweisen wird, und mit der Zustimmung der Betroffenen dominomächtig sich durchsetzen wird, ist für Sie die Erfolgsmethode, sondern es ist immer die ’scharfe, niederschmetternde KRITIK‘ solcher kreativer Versuche.“ Es geht nicht generell um die Hoffnung, aber um eine Art unrealistische Hoffnung, eine solche zum Beispiel, die sich an die Phrasen der Mächtigen hängt und dort etwas zu finden hofft, was nicht ist. Wenn Sie zum Beispiel aus ein paar Wortfetzen oder möglicherweise paradoxen Verhaltensweisen einer Frau Merkel einen „Geniepunkt“ entdeckt zu haben glauben, dann ist das so eine „Hoffnung der Narren“. Ich bestreite den Erfolg Ihrer Art von Kreativität, eine solche, die nicht die Massen als kreatives Zentrum sieht, sondern einzelne Akteure, und dann auch noch im höchsten Maße „verdächtige“. Ich bevorzuge im Übrigen die leninsche Formulierung vom „schwächsten Kettenglied“, das weist definitiv auf die Massen und deren aktiven Rolle. Die Kritik muss eine gesellschaftskritische sein, darauf baue ich, nicht auf eine Kritik, wie Sie sie zu interpretieren wünschen – kritikasternd quasi. Das ist kindisch. Im Übrigen steht Ihnen die Rolle des Opfers nicht sonderlich, das macht Sie noch unglaubwürdiger, als Chaostheoretiker, oder soll ich sagen: Chaosprediger?

faz.net: Ist Horst Koehler On To Something

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