Wenn der Sack Reis in China platzt

Diesen Beitrag poste ich nun das 2. Mal! Auch der 2. Versuch fruchtete nicht. Ganz offensichtlich soll der Beitrag nicht freigeschaltet werden. Das zeigt ganz offensichtlich die Alibifunktion dieses Blogs in der FAZ.

Wenn der Sack Reis in China platzt
@SeHe: Ihre Kritik ist verständlich, wenn auch (leider) nicht ganz zureichend. Der Konsument beherrscht mitnichten das Marktgeschehen, den beherrschen die Marktbeherrscher, ebensolche wie Edeka oder Rewe, um mal nur zwei genannt zu haben. Den Mehrprofit (Maximalprofit) stecken sich diese Unternehmen in die Tasche. So ist längst bekannt, dass zum Beispiel gewisse Sportschuhhersteller in China einmal für den Weltmarkt, einmal für den dortigen heimischen Markt produzieren lassen. Am selben Standort, mit denselben Mitarbeitern (zu denselben Entlohnungen und ganz sicherlich mit denselben Materialien) und in aller Regel auch zu vergleichbaren Qualitäten. Ärgerlich ist nur, dass nicht selten dann jene „Billigprodukte“ dann internationalen Schmuggelmärkten landen. Diese Produkte, soweit als solche enttarnt, werden dann selbstredend vernichtet.

Was will uns das sagen? Die Löhne in Länder wie China sind so niedrig, dass selbstredend auch die Produkte für den Weltmarkt mit ähnlichen Preisen versehen gehörten, wie die für den dortigen einheimischen Markt. Die Transportkosten sind mittlerweile ja kaum noch die Rede wert. Arbeiten doch auch dort die billigsten Arbeiter, die man auf den Weltmärkten finden kann. Was passiert ökonomisch? Der Weltmarktpreis orientiert sich am Produktivitätsniveau der entwickelten kapitalistischen Länder, die Löhne an den unterentwickeltsten. Und genau das schafft den Extraprofit.

Teile dieses Extraprofits werden nur dann an den (Weltmarkt-)Kunden weitergegeben, wenn mit diesem um weitere Marktanteile gekämpft wird, und/oder in Rabattschlachten. Aber selbst bei solchen Rabattschlachten wird wenigstens der Durchschnittsprofit erzielt.
Die Hauptzeche für diese Wirtschaftspolitik zahlt selbstredend der Billigarbeiter; er bezahlt sie zum Teil mit seinem Leben. Aber es zahlt sie auch ein Konsument, der regelmäßig über den Tisch gezogen wird.

Es mag unser Gewissen beruhigen, wenn wir uns für „faire Preise“ zu erwärmen suchen. Doch ändern tut dies (allein) nichts. Der Gedanke der Solidarität sollte nicht in der Spendierhose daherkommen, sondern er sollte sich in politischer Aktivität manifestieren. Einer Aktivität, die über ein (fortschrittliches) Konsumentenbewusstsein hinausreicht.

Wenn in China die Arbeiter in den Transnationalen Unternehmen streiken für höhere Löhne oder bessere Arbeitsbedingungen, dann sollte uns bewusst sein, dass sie genau das tun, wozu wir hier nicht mehr bereit zu sein scheinen (weil ein Teil des hier vermiedenen Elends durch das Elend dort kompensiert wird, obwohl auch bei uns mittlerweile zu Bedingungen gearbeitet wird, die selbst das Existenzminimum hier nicht mehr sichern). Deren Elend ist unser vermiedenes Elend. Nicht aber das von uns bekämpfte.

Dennoch müssen wir nicht bereit sein höhere Preise zu zahlen, sondern wir müssen höhere Löhne erkämpfen – hier wie dort. Löhne, die dann aus der Perspektive des Weltmarktes besehen, den Extraprofit dort abschmelzen, wo er geschaffen wird – in den Produktionsstätten dieser Welt.

Löhne, die den Kapitalismus nicht aufhalten werden, ihm aber Grenzen setzen, Grenzen die notwendig sind, um über ihn hinaus wachsen zu können. Grenzen, die uns bewusst machen helfen, wie wir ihn schließlich abschaffen – dort wie hier.
Und ehrlich gesagt: unter diesem Aspekt betrachtet, wäre mir der Qualitätsunterschied zwischen gleich welchen Marken so Schnuppe, wie der sprichwörtliche Sack Reis, der da in China platzt, wenn es nicht eben dieser Sack Reis wäre, der mir da so wichtig ist. Nicht nur wenn er in China platzt.

faz.net/blogs/supermarkt/archive/2011/10/26/jetzt-noch-schokoladiger-real-erklaert-die-preisunterschiede-seiner-eigenmarken

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