Die Aporie des Kapitals

Den 2. Teil hat die FAZ bisher noch nicht gebracht, obwohl ich schon 3 Versuche gestartet habe. Ein selbstentlarvendes Verhalten. Allerdings dürfte es mehr die Anspielung auf die wahren Hintergründe der Kriegspolitik des US-Kapitals sein und weniger die marxistische Analyse bzgl. der Entwicklungsgesetze des Kapitals, welche da die Zensur auf den Plan rief. Dass dadurch der Begriff der „Aporie“ gar nicht dargestellt ist, scheint die Redaktion nicht zu stören.

Die Aporie des Kapitals, Teil 1
Wo der Dienstleistungssektor gegenüber dem produktiven Sektor überhand nimmt, mag es so aussehen, als wenn Werte, genauer „Mehrwerte“, aus der Dienstleistung heraus geschöpft werden können. Tatsache ist aber, dass auch dieser Sektor nur Werte verzehren kann, nicht vermehren. Die Dienstleistung hat nämlich nur Teil am gesamten Mehrwert, der sich letztlich in produzierten Gütern materialisiert. Güter, welche in dem Maße (aus Rohstoffen) zu Industriewaren verarbeitet worden sind, wie aus Arbeit Lohnarbeit geworden ist. Wo aber die güterschaffende Industrie selber, im kausalen Zusammenhang mit der Expansion des fixen Kapitals, immer weniger Lohnarbeit erheischt, dort mag es anmuten, als könnte der Wert der einzelnen Lohnarbeit im Zuge einer erhöhten Produktivität zunehmen. Doch wo der Lohn der Arbeit von einem solch machtvollen Kapital ständig in der Nähe seiner „Existenzmittel“ gehalten wird, kann auch der Mehrwert nicht steigen. Denn auch dieser ist nur ein relativer Wert, abhängig vom Wert der Güter, vom Wert der Arbeit. Dieselbe Produktivität, die das Kapital hat so mächtig werden lassen, lässt nun nicht nur die Arbeit verarmen, sondern auch das Kapital selber. Das virtuelle Kapital, also ein nicht mehr durch Mehrwerte gedecktes, schwillt hingegen an.

Die Aporie des Kapitals, Teil 2
Es berauscht sich sozusagen an seiner eigenen Umlaufgeschwindigkeit. Denn glaubt es sich doch im Besitz jenes sagenumwobenen perpeteum mobile. Dass hieraus die Mehrwertproduktion wieder angeleiert werden könnte, also der Konsum sich selber, via angeheizten Kreditkonsum, am eigenen Schopf sozusagen, aus seiner Misere befreit, dürfte die definitiv schlechteste Kopfgeburt seit eines Zeus Aphrodite sein. Und vielleicht mag es insgeheim die gehegte Hoffnung auch der Bushadministration gewesen sein, als diese den Irak in Schutt und Asche legte. Auch wenn Haliburton durch den Wiederaufbau des Landes wohl reicher geworden sein mag, die Produktion, also die produktive Produktion, die Produktion von Gütern, die nicht als Kriegswaffe zu missbrauchen sind, und somit wiederum nur Konsum und nicht Produktion darstellten, befindet sich seitdem im Sinkflug. Und die Mehrwertproduktion in ihrer ultimativen Krise. Und keine Gelddeckung – auch nicht durch „Rohstoffe“ – kann etwas umkehren, was doch Ausdruck des Entwicklungsgesetzes des Finanzkapitals selber ist. Marx nannte dieses Gesetz den „tendenziellen Fall der Profitrate“. Ich nenne es die Aporie des Kapitals.

faz.net/kommentar-ansteckungsgefahr-19-07-2011

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   
Dieser Beitrag wurde in Krise des Kapitals veröffentlicht. Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Einen Kommentar hinterlassen

Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.