Eine Schande, keine Ehre – für das Kapital

Eine Schande, keine Ehre – für das Kapital
@Scheffler: Was meinen Sie mit „wenige Menschen hungern“? Sind Ihnen 1 Milliarde, die hungern, nicht genug? – Niedrig geschätzt! Und was hat das mit der „Ehre“ der Nahrungsmittelindustrie zu tun? Wenn, dann betrifft das die Ökonomie im Ganzen – die Politik resp. -, jene, die auch für den globalen Hunger verantwortlich ist. Und da wüsste ich definitiv nicht, wie da wessen Ehre zu retten sei. Denn auch die Industrie tut nichts der Ehre wegen, sondern ausschließlich des Profits. Und eben aus diesem Grund sind Skandale wie diese geradezu vorprogrammiert. Und dass nun auch, neben den Hungerleidern der 3. Welt, die hiesigen Bauern und Konsumenten darunter zu leiden haben, entblößt das System. Der Kapitalismus entbietet sich, und dabei die herkömmliche Bauernwirtschaft ablösen wollend, die Ernährungsprobleme der ganzen Welt zu schultern. Dass das ein leeres Versprechen ist, ist für Marxisten keine Überraschung. Doch dass er die Menschen, die er offenbar nicht anständig zu ernähren vermag, auch noch wissentlich, also eben nicht nur leichtfertig, vergiftet, ist eine ganz besondere Schande, keine Ehre – für das Kapital. Und „einzelne kriminelle Betriebe“ mögen es wohl sein, aber das sind die ganz großen Unternehmen, die Bannerträger des Systems.

Das Ende kennen wir
@Sundt: Richtig ist an Ihrer Aussage, dass die EG letztlich Agrarpolitik ist. Das ist aber auch schon alles, was ich unterschreiben würde. Denn gerade die Wertung verhält sich ein wenig anders. Ziel der europ. Agrarpolitik ist die Exporte der großen Agrarier und Agrarkapitalisten zu schützen, und zwar selbst in sog. Agrarländer. Stichwort: Milchpulver statt Frischmilch für die unterernährte chinesische oder auch afrikanische (Land-)Bevölkerung. Dass dies hochsubventioniert sein muss, dürfte klar sein. Etwas anders sieht das bei den sog. Klein- und Mittelbauern aus, also bei denjenigen, die auch noch für unsere eigene Ernährung, zum Teil jedenfalls, verantwortlich sein sollen. Diese müssen mit den Billigimporten aus eben genau jenen Ländern konkurrieren, denen man durch unsere Produkte gerade den einheimischen Markt verdorben hat. Damit das überhaupt funktioniert, bekommen diese Bauern einerseits für gewisse Produkte feste Preise, müssen die dann aber auch abliefern, fern vom Markt – Molkereiprodukte zum Beispiel. Daneben erhalten auch sie Subventionen, EG-Subventionen, damit sie überhaupt existieren können – auf Hartz-IV-Niveau. Und nun der Witz daran: Genau diese Politik hatten wir schon einmal, nämlich zwischen den beiden Weltkriegen. Das Ende kennen wir.

faz.net/Dioxin-Skandal: Viel früher, viel mehr, viel schlimmer, 07.01.2011

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  • Von Toxische Systeme am 8. Januar 2011 um 19:14 Uhr veröffentlicht

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