Mobbing oder sozialer Protest

Mobbing oder sozialer Protest
Die Engländer fackeln nicht lange. Schon 2008 lag die Lynchjustiz in der Luft. Als Marxist bin ich es gewohnt anzunehmen, dass der Aufstand von denen kommt, die am Wenigsten zu verlieren haben, so habe ich es auch schon im Zusammenhang mit der Griechenlandaffäre in den Raum gestellt („Im arkadischen Licht betrachtet“). Wo ich noch annehmen wollte, dass Europa von seinen Rändern her erodiert. Aber schon die Nachrichten über jene mobbingartigen Attacken Londoner Bürger gegen jene Nachbarn in ihren guten Vierteln, die sie als Gewinner der Krise, der Blase, die da platze, wähnten, wie sich als Verlierer, stimmten mich nachdenklich. Als dann noch Sloterdijk sich an der Idee eines Steueraufstandes philosophisch erwärmte, schwante mir arges. Könnte der Aufstand vielleicht von da kommen, wo das meiste zu verlieren wäre? Und die Fundamentalopposition gegen die aktuell bürgerlichste aller Regierungen aus eben jenen konservativen Kreisen, z.B. einer FAZ-Leserschaft, machte das Bild schon mal rund. Nun möchte ich den Studentenaufstand nicht per se diesen Kreisen zurechnen, aber er könnte es, wenn er sich nicht zu einem sozialen Protest der gesamten Jugend, der proletarischen, die da in England schon lange nichts mehr zu verlieren hat, auswächst.

faz.net/Großbritannien: Cameron schockiert über Studenten-Proteste, 10.12.2010

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