A-soziales Gelage

A-soziales Gelage
Ich meide seit Jahren Buffets, wo immer nur möglich. Nicht nur, wegen der hier treffend beschriebenen Unappetitlichkeiten – von den Gästen bis zu den Speisen -, sondern auch wegen jenes auch als extrem unsozial zu betrachtenden Gelages. Ich hab das mal in Kuba erleben dürfen. Nach dem ich vier Tage in Havanna verbrachte, in einem französischen Hotel am Rande der Altstadt (es gehörte damals noch zur Accor-Kette, die sich aber inzwischen aus dem Kubageschäft zurück gezogen hat), wo es auch ein Buffet gab, man aber ganz sicher noch was auf den Teller bekommen hat, selbst wenn dieser immer nur mit kleinsten Mengen gefüllt war – die Gäste waren fast ausschließlich Franzosen! -, wurde ich dann noch 2 Tage an einem jener berüchtigten All-Inclusive-Destinationen untergebracht, wo dort dann die Alemannen (oder waren das die Vandalen) hausten.
Ich war leider krank an diesen beiden Tagen und kam daher etwas spät zum Frühstückstisch. Im Angesicht der dort dann vorgefundenen Reste, ging ich schnell wieder zu Bett.
Gerade in Kuba empfand ich das als besonders a-sozial, wenn man bedenkt, dass die noch
v e r w e r t b a r e n Speisereste der Hotels zur Schulspeisung bestimmt sind, und dass das die Touristen in aller Regel wissen.
Was da aber rumlag, nicht nur auf den Tellern der Gäste, sondern eben auch auf den geplünderten Buffets, das hätte gar ein Schwein angewidert.
Im Übrigen ist die Qualität dieser Buffetspeisen all zu oft nicht die Beste. Nachdem ich mal wieder einen Versuch gestartet hatte und dann bei einem – bei mir zu Hause angesiedelten und solchermaßen auch nicht schlechten – Frühstückscafe (die Familie einer im internationalen Geschäft erfolgreich tätigen Schokoladenfabrik ist der Besitzer), einen der billigsten Käse aus einer bekannten Discounter-Kette identifizierte (es ist jener Pfefferring, der vorgibt Frischkäse zu ummanteln), habe ich solches nie wieder versucht.

Rassismus ist nicht weniger unappetitlich! – 2. Versuch! (ist dieser Beitrag etwa nicht erwünscht?)
@Justin Thynne: Aber aber, was ist denn d a s für eine Unappetitlichkeit? Und niemanden fällt das auf!?
Ich zitiere Sie: „Leider wurde ich Zeuge der Nahrungsmittelaufnahme, da ich mich ungefragt an meinem Tisch auf einmal dreier dieser P l a t t – N a s e n (Hervorhebung von mir, H.B.) entgegensah“.
Ich sehe mich nun ungefragt einem ungeschminkten Rassismus gegenüber! Das gefällt mir auch nicht!
Vielleicht fällt noch einem in der Runde ein entsprechendes Bonmot zu den „Krummnasen“ ein?

Wann immer der Kleinbürger sich laust…
@Don Carlos: Oh ja, ich ahnte es, „Spengler“, da ist er wieder, denn hierzu die Keule drauf:
„Frecher Geschichtsrevisionismus“, bzw.
http://blog.herold-binsack.eu 

Den Mief aus der Schublade nicht raus lassen
@Don Carlos: Ach ja! Spenglers Abendlandkritik ist also, im Gegensatz zu Marxens „Kritik der politischen Ökonomie“ („Das Kapital“) eine in die Zukunft gerichtete? Vermutlich so wie auch eines Hansmeier555 Reformulierung der feudalistischen Kritik der Moderne. Während aber bei Hans Meier die Satire unübersehbar ist, ist Spengler todernst zu nehmen, so ernst wie tot. Seine Kritik am Abendland war nämlich schon tot, bevor sie überhaupt geboren war, und es wundert nicht sonderlich, dass sie nur ernst genommen wurde von gewissen politischen wie überhaupt Abenteurern, da nämlich nur von diesen aus dem Schmutz der Straße geglaubt. Wenn nicht ein Jack London oder auch ein Hemingway ihre Affinitäten zu Spengler mit ihren zugegeben klugen Worten eben einen zu Unrecht positiven Ausdruck verliehen hätten (Jack London zumindest war Sozialist), wäre ein Spengler dem Schicksal eines Ernst Jünger längst gefolgt. Sein „Schicksal“ aber, und darin im Gegensatz zu dem eines Ernst Jüngers, ist nicht bei den toten Käfern und Schmetterlingen in der Studierkammer und über dem Mikroskop gebeugt, sondern unter ihnen. Und ich ahne es – Spengler hatte genau dies eben nicht voraus gesehen, schon gar nicht, dass man ihn aus dem Mist heraus buddeln muss, von dem sich eigentlich nur gewisse Käfer ernähren. Zumindest seine Zukunft blieb ihm doch verschlossen, so wie jene „Schublade“, die ich nun schnell wieder zumache, bevor mich all zu viel von diesem Mief einnebelt.

Zivilcouragierter Unsinn
@Rosinante: Unsinn zu verbreiten ist also „zivilcouragiert“!? Wenn ich nun, frech wie ich bin, das dann auch auf meine Wenigkeit anwende, hätte ich noch viel Spielraum, meinen Sie nicht auch?
Aber Spaß beiseite. Den Unsinn verzeiht man ja in aller Regel nur gewissen Leuten, selten denen von links! Oder irre ich mich da? Da kommt dann schnell die Ideologiekeule (u.U. auch die Stalinismus=Hitlerismus-Keule!)

Aber der Mord an den Juden war definitiv keine asiatische Tat, sondern einem europ., sprich: abendländischen Größenwahn geschuldet. Und das ist eine historisch evidente Aussage, keine, die man einfach so vom Tisch wischen kann, mit anekdotischen Rückgriffen auf die letzten 1000 Jahre einer womöglich grausamen asiatischen Geschichte.
Man kann bei Stalin eine Form des asiatischen Despotismus vermuten, Ernst Jünger tat das, und wie ich finde, sogar überzeugend (Der gordische Knoten). Und auch unter Stalin gab es Verfolgungen von Juden. Aber erstens keinen Holocaust, also keine systematische, auf „rassischer Grundlage“ betriebene Ausrottung, sondern, nämlich, gewissen politischen Opportunitäten seiner Machtausübung geschuldete, Verfolgungen von zumeist sogar linken, sprich: kommunistischen Juden (das darin eben noch nicht aufgelöste Problem, nämlich, was ist ein kommunistischer Jude, wenn doch Kommunisten Atheisten sind, und das Judentum als Religion zu definieren ist, konnte erst nach dem Holocaust, wenn auch als historisch zu bedauernde Konstruktion erst richtig begriffen werden! Denn erst der Holocaust schuf diesen „Fakt“, des „ewigen Juden“). Die fehlende Auseinandersetzung innerhalb der damaligen kommunistischen Bewegung ist in erster Linie ein ideologisches Problem, eben dieser Bewegung, der gesamten kommunistischen Bewegung und nicht nur der sowjetischen.

Und doch, natürlich litt ein Stalin auch ganz persönlich unter einem gewissen grossrussischen Chauvinismus, den ja bekanntlich auch Lenin schon bei ihm entdeckt hatte (schon früh in gewissen Auseinandersetzungen bzgl. der Behandlung des Nationalismus in Georgien), einem jenen, der für viele Verbrechen verantwortlich ist (und der selbstverständlich auch für damit rassistisch konnotierte politische Akte!) aber eben nicht für den deutschen Holocaust.
Auch wenn das ideologische Problem einer kommunistischen Weltbewegung mit einem stalinschen grossrussischen Chauvinismus – historisch bedingt – zusammen fällt, ist das nicht einfach als identisch zu betrachten. Das Problem mit dem kommunistischen Juden, dem jüdischen Kommunisten, ist vermutlich heute noch nicht gelöst, nämlich wenn wir darin gelernt haben zu differenzieren, und es doch noch nicht begriffen haben, und zwar wenn wir die Kritik durch einen womöglich jüdischen Staatsbürger an eben diesem jüdischen Staat, nicht als Rechtfertigung für eine ebensolche Kritik durch einen x-beliebigen Deutschen, verwenden dürfen. Das ist auch für einen Linken ein starker Tobak, denn ein solcher, nämlich ein revolutionärer Linker, hat im Regelfall wenig Respekt vor einem kapitalistischen Staat, außer vor dem jüdischen, dem einzigen Staat auf dieser Welt, dem gerade aus dieser Perspektive ein Existenzrecht zugestanden wird. Wie gesagt, das haben wir der „Singularität“ eines Holocausts zu verdanken, nicht einem „asiatischen Despotismus“.

Noltes Einlassungen sind daher gelinde gesagt ein schäbiger Versuch des Geschichtsrevisionismus, nämlich eine Apologie des deutschen Holocaust, und zugleich Ausdruck einer ungebrochenen eben deutschen rassistischen Manier, nämlich im Hinblick auf Anspielungen bzgl. einer sog. „gelben“ oder schlicht mal wieder „russisch-slawischen“ Gefahr. Und dazu gehört im heutigen Deutschland wahrlich kein Mut (mehr), sondern einfach nur ignorante Frechheit (und einen gewissen politischen Background, um nicht zu sagen: eine besondere Seilschaft).
Da befindet er sich nämlich schnurgerade in der Gefolgschaft genau derer, die den Holocaust zu verantworten haben: den deutschen Faschisten, den bisher weltweit und historisch (noch) nicht übertroffenen Rassisten.
Ein Habermas hatte Recht, eine solche Veranstaltung zu verlassen, unter Protest (denn natürlich sollte man solchen Elementen nicht kampflos das Feld überlassen). Mit Faschisten (und solch versierten Apologeten des Faschismus) diskutiert man nicht! Man bekämpft sie. Der Schoß scheint fruchtbar noch!

Im Übrigen, ein kleiner Nachtrag zur obigen „Nasengeschichte“: Die „Krummnasen“ war keine harmlose gemeinte Anspielung auf eine gar „deutsche Langnase“, sondern eben auf eine gängige antisemitische, nämlich rassistische Betitelung der Juden. Mag sein, dass man im engen Freundeskreis über „Plattnasen“, oder wegen mir auch über „Krummnasen“ spotten darf, vorausgesetzt die (dabei auch anwesenden) Betroffenen finden das ebenso witzig, aber im Kontext einer Diskussion, wie dieser hier, hat das nichts zu suchen.
Und ich finde schon, dass eine Anspielung, die ein gewisses Benehmen mit gewissen äußeren Merkmalen (früher nannte man das rassische Merkmale) verbindet, politisch „nicht korrekt“ ist, da das eine rassistische Einlassung ist.

„Genuin deutsch“
@Rosinante: Wenn Sie auf den Link zu meiner Website gehen, finden Sie alle erforderlichen Daten zu meiner Person, schon der Link verrät meinen Namen – Herold Binsack -, also was benötigen Sie noch? Nun, Nolte scheint die passende Verteidigerin gefunden zu haben. Ich zitiere: „Noltes These hat mich nie überzeugt, weil allein die Logistik des Holocaust so genuin deutsch oder preussisch ist, wie es – ausser den Japanern und den Chinesen – wohl keine Ethnie dieser Welt fertig bringen würde. Stalin wäre mit seinem Bauernhaufen dazu gar nicht in der Lage gewesen. Und ich glaube, auch die Briten nicht.“ Glauben Sie mir, einem Linken, muss man den Kern einer solchen Semantik nicht extra erklären, Ihnen zuliebe tue ich das aber mal!

Während ich im ersten Teil geradezu einen typisch-deutschen, nämlich doppelt falschen Zungenschlag heraushöre – „genuin deutsch“ (meinten Sie da nicht „genial deutsch“?, denn da versteckt sich doch der klammheimliche Stolz ob jenes genuinen Menschenschlags, hinter einer geheuchelten Kritik, die man dann noch einmal, und solchermaßen wirklich schlauerweise, durch Adoption, nämlich von Chinesen, bzw. „Preußen des Ostens“, den Japanern, abschwächt), ist der zweite Teil in seiner Klarheit, ob eines „Stalins Bauernhaufen“ (der ärgerlicherweise doch den Krieg über die Deutschen davontrug, vermute ich mal) nicht mehr zu übertreffen. Dass übrigens die Briten solches nicht zu leisten vermögen, werden nicht nur diese empört von sich weisen; ihre ganze Kolonialgeschichte ist ein Beleg dafür, wie sehr gerade ihre Grausamkeit, wie koloniale Hochnäsigkeit, der deutschen Kopie weit voraus eilte. Ja, ja, auch die Briten haben ja den Krieg gewonnen, wie ärgerlich. Hier kocht die Wut der revanchistisch aufgeladenen und solchermaßen beleidigten Seele hoch. (Die Japaner waren schließlich unsere Verbündeten und die Chinesen nie unsere Feinde, sondern wenn überhaupt, dann immer nur die der anderen!, nicht wahr?)

Je mehr Sie reden, desto sichtbarer belegen Sie die Richtigkeit meiner „frechen“ Behauptung. Ihre Quelle ist Nolte, auch wenn Sie das vorgeben zu bestreiten (denn das was Sie bestreiten, relativieren Sie wieder durch ihre chinesisch-japanischen Adoptionskinder). Wo aber zum Teufel ist Ihr Beleg für eines Noltes, zumal seriöse, „Quellenbasierung“?

Der Historikerstreit in Wikipedia
Ein, auch aus meiner Sicht, sehr sachlicher Beitrag ist in Wikipedia zu finden. Bevor wir also weiterhin über Vermutungen aus dritter Hand streiten, hier somit mal eine Quelle.
Ich habe nichts dagegen die Diskussion danach weiter zu führen, aber dann bitte mit mehr Fakten und mit einer deutlicheren Bezugnahme zur realen Geschichte – auch zu der der Auseinandersetzung.
Gewisse Attribute wie „ mutig“, „frech“ oder „niederträchtig“ wären dann so obsolet wie dann auch die von mir georteten „falschen Zungenschläge“.
Im Übrigen bin ich kein Anhänger von Habermas, aber in diesem Streit, dem Grundsatz nach, definitiv, bis auf den absurden Begriff vom „Verfassungspatriotismus“ vielleicht, denn auch dieser ist eine Verharmlosung dessen, was Patriotismus in Deutschland weiterhin bedeutet. Ich habe mich mehrfach dazu ausgelassen (u.a.: Warm halten für die wirklichen Ernstfälle).

faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/03/27/die-elegante-dolchstecherei-am-kalten-buffet

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  • Von Der verfluchte grossrussische Chauvinismus am 8. April 2010 um 21:47 Uhr veröffentlicht

    […] zum Beispiel, hatte es zum Programm, ist aber genau daran gescheitert, genauer: am verfluchten grossrussischen Chauvinismus, an dem eines Lenins Nachfolger, Stalin nämlich, so entsetzlich […]

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