Der Quantensprung der Liebe

Der Quantensprung der Liebe
In der Postmoderne sind Klassiker so rar, wie ein Medici-Papst im Himmel. Literatur wie Skandale sind weniger als eine Zumutung; die „Hölle“ wäre das bessere Fegefeuer, wenn die Insassen geeigneter wären. Dass ein französischer Kulturminister einen „französischen Staatsbürger“, der ja eigentlich ein amerikanischer ist, schützt, ist weniger Pointe als Treppenwitz. Denn die Leidenschaft beider, die da sich findet, ist nicht die zu zwei großen Nationen – schräg genug, eine solche Annahme -, sondern die zu zwei kleinen Geheimnissen, die keine mehr sind, ihre kleine Erotik, die Erotik zu den Kleinen. Einer, die schon bei Geburt einer bestimmten Metagesellschaft, bei den „Kleinen“ wie bei den Großen, Pate stand, und die damals schon die Geschlechter und ihre Beziehungen zu geschlechtslose machte, zu neurotische. Platonisch sei sie, wo sie doch nicht nur die Ferse des Achilles betrifft. Und nicht die unterdrückte Rolle der Frau, sondern die Doppelrolle des männlichen Geschlechts, die diesbezügliche Doppelmoral, die ist es, die den Mann macht, mal zum Herrn, mal zum Weib. Beides ist er: gefeierter Held, wie verachtetes Weib. Nur die Liebe zu den ganz frühen Zöglingen des Gymnasiums, der alten Griechen, versucht sich da im Quantensprung.

faz.net/Französische Zustände: Lob der Hölle, 23.10.09

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