Hänschen in Versuchung

Hänschen in Versuchung
Eine schöne Fabel auf das Leben im Kapitalismus. Und auch ein bisschen wie Hans im Glück. Und in der Tat, meine Vorredner haben recht: Wer lebt eigentlich nicht so? Selbst Hartz-IV-Bezieher werden im gleichen Hamsterrad gedreht. Wenn der Rubel (das Kapital) rollt, darf Hänschen nicht träumen. Genau dafür wurde die „Reform“ der Sozialgesetze verabschiedet – um alle im Takt zu halten. Denn sonst käme Hänschen ja in Versuchung – über all das nachzudenken, darüber, wozu jetzt viele Banker viel Zeit haben. Selbst das Geld soll keine Rolle mehr spielen. Als wenn das so einfach wäre!? Diese Entscheidung trifft keiner für sich alleine – das kann er seiner Frau erzählen, und vielleicht rettet es ihm die Ehe -, sondern die Gesellschaft (das Kapital) für jeden Einzelnen. Das ist ja der ganz große Schwindel, mit dem Individuum in der Moderne, es ist nur eine Fiktion, ein Moment in der ideologischen Matrix. Nie waren wir mehr eingebunden als jetzt und heute. Selbst der mittelalterliche Bauer, der für seinen Zehnten schuftete, hatte u. U. mehr Zeit zur Muse und Selbstbestimmung. Sein Drama nur – er wusste nichts davon.
faz.net/Ein Banker berichtet: Das Leben im Zeitraffer, 15.04.09

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In Das Feuilleton und das Patriarchat veröffentlicht | 1 Antwort