Wo ist Verführung bereits Vergewaltigung?

Auch dieser Beitrag zu Polanski und Mitterand wird von der FAZ zurück gehalten. Siehe auch schon: „Unschuldig oder schuldig, minderjährig und bewusstlos war sie allemal“, versuche es nun ein zweites Mal.

Wo ist Verführung bereits Vergewaltigung?
Es kommt einem Pazifisten (oder auch Humanisten) offenbar nicht in den Sinn, dass der „Fallschirmtourismus“ der einen Art, mit dem der anderen Art irgendwie verknüpft sein könnte. Und dies obwohl beide „Touristen“ womöglich nicht nur aus völlig verschiedenen politischen Lagern stammen, sondern auch aus völlig verschiedenen Motiven das ein und dasselbe Land heimsuchen, mit oder ohne Fallschirm. Will heißen: Wenn der eine das Land vergewaltigt, indem er diesem seine politische und militärische Macht aufzwingt, so tut das der andere vielleicht gar, indem er sich an seiner Jugend vergreift. Und mag der eine dabei auch durchaus Frauen bevorzugen, wenn er vergewaltigt (oder verführt, oder unterdrückt), so mag die Bevorzugung des männlichen Geschlechtes, dort,und bei solchen Akten, nicht weniger kolonial geprägten Gefühlen verhaftet sein. Kann die Bevorzugung des etwas dunkleren Fleisches, bzw. die Stilisierung einer in der Fremde wildernden Erotik nicht ebenso Vergewaltigung, bzw. Verführung einer ansonsten durch uns nicht zu berührenden Natur sein, einer solchen, deren Unschuld oder deren fremden Ethik wir zu respektieren gehabt hätten? Wo ist Verführung bereits Vergewaltigung? – diese Fragen stellen sich nicht nur bei einem Polanski.

faz.net/Bernard-henri lévy: Die neue Sittenpolizei, 17.10.09

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In Das Feuilleton und das Patriarchat veröffentlicht | 3 Antworten