Im Reich des Mythos, der Bestien Natur

Im Reich des Mythos, der Bestien Natur
Die Transparenz des „Selbst“, erlaubt uns nur hindurch zu schauen, durch unser „Ich“ auf ein anderes Ich. Buber nannte es DU. So empathisch mag ich es nicht verstehen, denn ein solches DU unterschlägt das Wesen des Egoismus, die Angst vor dem DU, dem ES, was es glaubt verdrängt zu haben. Im DU finden wir aber das wieder, was uns im Ich noch verborgen blieb, die Bestie, aber diese ist nicht im ES, sondern im Freudschen Über-Ich. Die Gesellschaft macht das Selbst, so wie es das ES als Bestie (Leviathan) verkennt, womit die Gesellschaft das einzige ist, was bleibt, solange sie bleibt, und als solche als „Lücke“ (Žižek) in unserem Wesen, unser blinder Fleck – und doch die einzig konkrete Kategorie innerhalb eines abstrakten Selbst. Das „Ich“ wird von dieser Gesellschaft, und nicht vom Ich, erkannt als Nicht-Selbst und subsumiert unter dem Über-Ich. Die Kontrollinstanz erkennt das Wesen und schafft uns als Art. Nur unser Erinnerungsvermögen macht uns zu dem was wir wirklich sind, doch ist das Vergessen ebenso Programm eines auf Intelligenz orientierten Seins. Aber vergessen wir für einen Moment, woran wir uns erinnern sollten, wären wir ein authentisches Selbst, ein wahres Ego, dann fänden wir uns dort, wo alles anfing – im Reich des Mythos, der Bestien Natur.

faz.net/Erinnerung an Claude Lévi-Strauss: Mythen erschließen die Wahrheit unserer Welt, 03.11.09

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In Wissenschaft & Philosophie veröffentlicht | 4 Antworten