Neurotisch

Neurotisch
Ein Teil des Subjekts scheint obsolet, nicht jene calvinistische Gott-, resp. „Selbstgefälligkeit“, soweit diese auf den braven Geld scheffelnden Bürger rekuriert, sondern eine tiefer liegende Region. Die Illusion dieser produktiven wie konsumtiven Identität wird durch die Finanzkrise gerade mal demontiert, soweit sich in dieser die Abkoppelung der Realproduktion äußert, und doch verbleibt uns als Glaube die Rechtschaffenheit beim Abschöpfen des Mehrwerts, wobei unterschlagen wird – und was Frank Schirrmacher als das Methusalemkomplott wahrnimmt -, dass schon allein aus geriatrischen Gründen solches pervers wirkt. Wie gottgefällig dann eine solche Gesellschaft überhaupt noch sein kann, muss dem fragwürdig sein, der für sich ein „verdientes“ Rentnerdasein affirmiert. Neurotisch wird diese Beziehung in ihrer Abgrenzung zu jedweden (noch) potent wirkenden Subjekten. Die muslimische Konkurrenz wird diesbezüglich gleich doppelt wahrgenommen: einmal – ob ihrer „Gemüseladenwertschöpfung“ (Sarrazin) – als barbarische Kraft, im ökonomischen Sinne, und ein andermal, naja, sagen wirs so: wie ein „Heer ständig nachwachsender Kopftuchträger“. Minarette, zumal solche, die da so hemmungslos in fremde Himmel stechen, gelten dann natürlich als geradezu sexuelle Herausforderung.

faz.net/Schweizer Minarett-Verbot: Immer schön langsam, 06.12.09

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   
In Aktuelles, Kunst, Kultur, Freizeit veröffentlicht | 4 Antworten