Lisbeths fehlende Sinnlichkeit

Lisbeths fehlende Sinnlichkeit
Ahnend, dass Stieg Larsson schon das Thema verfehlt hat, will mir Lisbeth nicht nur als „Göttin des Internets“ erscheinen, sondern darin in gleich mehrfacher Hinsicht als Archetypus künftiger Generationen, resp. einer völlig neuen „biologischen Art“. Wie wäre es, wenn man die („androgyne“) autistische Lisbeth Salander weniger unter pathologischen denn bio-sozialen Prämissen betrachtet? Die Sprache der Zukunft, wenn es einer solchen denn noch bedarf, könnte im Kontext synthetisch hergestellter biologischer Organismen eine ebenso synthetische sein. Im knappen Befehlston aus Wesen hervorbrechend, deren Sinnlichkeit auf dem Niveau eines 3-jährigen Kindes eingefroren ist. Eine uns a-human erscheinen wollende Leidenschaftslosigkeit trifft hier auf das letzte Aufbäumen humaner Leidenschaft. Und dies nicht von ungefähr in Form von Verbrechen wie Antiverbrechen. Ein Breivik könnte gut und gerne ein Alien sein, so wenig begreifen wir solche Verbrechen. Doch wie fremd erst ist uns Lisbeths fehlende Sinnlichkeit.

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