Im Besitz göttlichen Wissens

Im Besitz göttlichen Wissens
Schöner Satz – dieser:„Nichts ist endgültig, denn es endet nichts.“ Und das ist vermutlich gar das ganze Geheimnis um diese Minute des Glücks. Die Liebe als Allegorie zur Unendlichkeit. Und vermutlich darin die Begründung letztlich für alle Religion – auch.
Doch mit der Religion wird die Liebe transzendiert. Ein Wesen, ein höheres, übernimmt den Part – den des Geliebten. Die Lyrik eines Hafiz schafft daher das Unmögliche: Die Rückführung zur irdischen Liebe, zur fleischlichen, der „Sünde“ begehrenden. Ich beginne zu ahnen: Die Liebeslyrik ist darin offenbar doch nicht nur eine „patriarchalische List“, wie ich vor einiger Zeit mal schlussfolgerte („Hafiz – die Homo-Erotik – der Nihilismus”), sondern ein philosophischer Trick, der dem Liebenden den Zugriff auf die Welt des „Noumenalen“ erlaubt. Und nur darin erklärt sich die Magie der Liebe, welche doch als Phänomen längst entzaubert ist. Hormonell gesteuerter Wahnsinn. Im Drogenrausch. Aber auch das ergibt Sinn. Denn auch unter Drogeneinwirkung glaubt sich der Mensch nicht selten im Besitz göttlichen Wissens.

http://faz-community.faz.net/blogs/ding/archive/2012/01/17/liebe-braucht-minuten-die-minute.aspx

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